Einsatz von KI im Lateinunterricht
Im Interview mit Daniel Conley erfährst du, wie du KI im Lateinunterricht gewinnbringend einsetzen kannst.
Im Interview mit Daniel Conley erfährst du, wie du KI im Lateinunterricht gewinnbringend einsetzen kannst.
Daniel Conley: Meiner Meinung nach bringen gerade Lateinlehrkräfte ziemlich ideale Voraussetzungen für einen reflektierten Umgang mit Künstlicher Intelligenz mit. Latein ist kein Anwendungsfach im engeren Sinn, sondern ein Denk-, Analyse- und Interpretationsfach. Wir als Lateinlehrkräfte arbeiten seit jeher mit Verfahren, die KI heute imitiert: Strukturieren, Vergleichen, Zerlegen von Sprache, Erkennen von Mustern, und sind es daher gewohnt, diese Prozesse transparent zu machen und kritisch zu begleiten.
Darüber hinaus kann KI uns Lehrkräfte dort entlasten, wo der Lateinunterricht traditionell zeitintensiv ist: bei der Vorbereitung von Texten, der Differenzierung von Aufgaben oder der Strukturierung komplexer Inhalte. Das schafft Raum für das, was Latein eigentlich leisten soll: gemeinsames Nachdenken über Sprache, Kultur und menschliche Grundfragen.
„Das schafft Raum für das, was Latein eigentlich leisten soll: gemeinsames Nachdenken über Sprache, Kultur und menschliche Grundfragen.“
Daniel Conley: Ein konkretes Erlebnis gab es in meinem Fall nicht. Ich habe mich bereits relativ bald, nachdem ChatGPT für die Öffentlichkeit zugänglich wurde, mit KI beschäftigt und war von Anfang an von den Möglichkeiten fasziniert. Daraufhin habe ich mich zunächst recht unsystematisch mit dem Thema beschäftigt, indem ich mir Wissen angelesen und durch Youtube-Videos angeeignet habe.
Als die KI-Bots dann auch qualitativ nochmals deutlich besser geworden sind (v. a. der Sprung 2024 von ChatGPT 4 auf 4o) und ich das Gefühl hatte, dass auch SuS zunehmend auf KI-generierte Inhalte zurückgreifen, habe ich mir gedacht, dass ich nun wirklich an das Thema ran muss. Leider ist das deutsche Schulsystem bisweilen etwas träge und bildet gesellschaftlich-technische Veränderungen oft nur mit recht langer Verzögerung ab, so dass ich versucht habe, KI nun auch eigenständig in meine berufliche Praxis zu integrieren. Meine beiden Hauptanliegen waren dabei einerseits, zu schauen, wie mein Unterricht qualitativ von diesen neuen Tools profitieren kann, als auch Wege zu finden, wie KI möglicherweise dabei helfen kann, meinen durchaus intensiven Berufssalltag – mit einem vollen Deputat – arbeitsökonomischer zu gestalten.
Daniel Conley: Dies zeigt, dass Fachkenntnisse von Lehrkräften nach wie vor unerlässlich sind. Ich nutze KI vor allem in Bereichen, in denen ich selbst auch die Kenntnisse habe, um die Inhalte und Sinnhaftigkeit der generierten Inhalte auch kompetent überprüfen zu können (z.Bsp. als Ideenbörse und Impulse für meine eigene Unterrichtsgestaltung) oder wenn ich KI-Ausgaben unmittelbar überprüfen kann (z.Bsp. bei IT-Problemen).
Prinzipiell sind fehlerhafte KI-Inhalte aber auch nicht rein negativ zu beurteilen, sondern gerade als Lehrer kann man derartige Produkte auch als didaktische Chance begreifen, indem man SuS bewusst mit fehlerhaften KI-Inhalten konfrontiert und sie diese überprüfen, beurteilen und ggf. sogar verbessern lässt (z.Bsp. ein KI-generierter Übersetzungstext). Dadurch schult man nicht nur die unmittelbaren Fachkenntnisse, sondern vermittelt auch gleichzeitig einen kritischen Umgang mit KI, eine vermutlich absolut zentrale Kompetenz in den nächsten Jahren und Jahrzehnten.
Weiterhin gilt es auch noch zu bedenken, dass die Qualität der generierten Antworten auch in hohem Maß von der Eingabe und geeigneten Prompts abhängt. So gibt es durchaus auch Prompting-Techniken (z.Bsp. Feedbackschleifen, Self-Consistency-Prompting etc.), mit deren Hilfe KI-Fehlausgaben zwar nicht völlig ausgemerzt, aber doch zumindest stark minimiert werden können.
Daniel Conley:Das größte Potential sehe ich in Bezug auf Binnendifferenzierung und KI-Tutoring. Als Lateinlehrer sind wir ja oftmals mit dem Problem konfrontiert, dass traditionelle Aufgabenformate wie die lateinisch-deutsche Übersetzung in vielen Lerngruppen enorm große Leistungsunterschiede nach sich ziehen. Einigen SuS gelingt dies hervorragend, anderen hingegen bereitet die statarische Übersetzung schon von Beginn an große Probleme.
Eine Möglichkeit, dieses Problem abzumildern und auch leistungsschwächeren SuS Erfolgserlebnisse zu ermöglichen, ist die Erstellung von Aufgaben oder Texten mit gestaffeltem Schwierigkeitsgrad. Bislang war die händische Erstellung von derartigen binnendifferenzierten Formaten immer stets mit hohem Aufwand seitens des Lehrers verbunden. Durch KI können nun relativ leicht binnendifferenzierte Aufgaben auch zu einem vertretbaren Aufwand erstellt werden.
Für ebenfalls gewinnbringend halte ich auch die Möglichkeit, SuS – zumindest zeitweise – auch eine KI-Assistenz zur Verfügung zu stellen, um einen Ansprechpartner für individuelle Grammatik- oder Übersetzungsfragen zu haben. Eine zentrale Herausforderung für uns als Lehrerinnen und Lehrer ist dabei allerdings, unseren SuS nahezubringen, wie KI sinnvoll als unterstützendes Tool gebraucht werden kann, anstatt sich einfach nur KI-generierte Lösungen ausgeben zu lassen. Andernfalls besteht natürlich die Gefahr, dass gewisse Fähigkeiten verkümmern oder gar nicht erst entwickelt werden.

Einsatz von Schulhunden im Unterrichtsalltag