Einsatz von Schulhunden im Unterrichtsalltag
Im Interview mit Judith Bohlmann erfährst du, wie Schulhunde den Unterricht bereichern können.
Im Interview mit Judith Bohlmann erfährst du, wie Schulhunde den Unterricht bereichern können.
Judith Bohlmann: Die heutige Bildungslandschaft, bzw. die Schule, ist ein Ort, an dem so unglaublich viel gleichzeitig passiert: Lernen, Lehre, soziale Dynamiken, Emotionen, Projekte, Freundschaften etc. Schule leistet somit weitaus mehr als reine Wissensvermittlung. Dadurch gilt es, viele Herausforderungen zu meistern, wie beispielsweise emotionale Belastungen, zunehmende Heterogenität und Bedarfe an Beziehungsarbeit.
Schulhunde können uns dabei auf sehr natürliche Weise unglaublich unterstützen. Sie geben dem Schulalltag einfach etwas, was sonst schnell untergeht in der alltäglichen Arbeit: Ruhe, Beziehung auf Augenhöhe, soziale und emotionale Stabilität, Wärme und Authentizität.
Zur tiergestützten Pädagogik bin ich gekommen, weil ich es so unglaublich finde, wie sich die Anwesenheit von Tieren auf die Menschen und somit im Rahmen Schule auf das Klassenklima, die Motivation sowie soziale und emotionale Prozesse auswirkt. Ein Hund bewertet nicht, er reagiert authentisch, liebevoll und nahezu immer freudig – und genau das macht ihn im schulischen Kontext so wertvoll. Für mich ist ein Schulhund daher aus der heutigen Bildungslandschaft gar nicht mehr wegzudenken, da er den Unterrichtsalltag auf so vielen Ebenen einfach wunderbar bereichert.
„Sie geben dem Schulalltag einfach etwas, was sonst schnell untergeht in der alltäglichen Arbeit: Ruhe, Beziehung auf Augenhöhe, soziale und emotionale Stabilität, Wärme und Authentizität. “

Judith Bohlmann: Die Auswirkungen auf die Klasse und die Lernenden sind sehr vielfältig und individuell. Was ich immer wieder beobachten kann, ist, dass der Einsatz von Merlin die Motivation und die Stimmung im Klassenraum erhellt. Die Schülerinnen und Schüler sind aktiver, freuen sich über Kontakt mit Merlin und sind fokussierter. Dies verbessert natürlich das Klassenklima auf der einen Seite, aber auch die Konzentration z.B. bei der Bearbeitung von Aufgaben auf der anderen Seite. Weiterhin ist die Arbeit mit einem Schulhund auf der emotionalen und sozialen Ebene unglaublich wertvoll, da ein Hund allen Lernenden auf die gleiche Weise und auf Augenhöhe begegnet. Es ist so wunderbar zu sehen, wie sich selbst die etwas zurückhaltenden und schüchternen Schülerinnen und Schüler freuen, wenn Merlin zu ihnen geht, und sie rufen ihn sogar oft selbstständig zu sich.
Schulhunde stellen auch für Lehrkräfte eine wundervolle Ergänzung dar und öffnen den Unterricht. Sie unterstützen bei der Beziehungsarbeit, beim Schaffen eines positiven und stressfreien Lernklimas und bringen auf ihre ganz eigene Art und Weise zusätzlichen Spaß und Freude ins Klassenzimmer. Sie bereichern den Unterricht somit auf unzähligen Ebenen.
Judith Bohlmann: Eine sehr schöne und gleichzeitig aber so wertvolle Aufgabe von Merlin besteht oft in der reinen Anwesenheit als ruhiger Begleiter, Tröster, Motivator oder Spaßbringer im Unterricht. Oft reicht schon seine Anwesenheit, um eine ganz andere Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Wenn der Hund mit im Klassenraum ist, werden viele Schüler*innen automatisch ruhiger und konzentrierter.
Ganz konkret kann der Schulhund aber auch aktiv in den Lernprozess eingebunden werden, zum Beispiel beim Lesen – als Lesehund: Die Lernenden können ihm etwas vorlesen – ohne Angst vor Bewertung oder Kommentaren haben zu müssen. Das nimmt ihnen enormen Druck und stärkt das Selbstvertrauen. Oft und gerne setzen wir ebenfalls Buzzer oder Würfel ein, sodass Merlin Aufgaben für die Lernenden auswählt, die wir zusammen bearbeiten, um Spaß an der Vertiefung von Lerninhalten zu haben.
Judith Bohlmann: Ganz wichtig ist bei diesem Thema für mich Transparenz, Offenheit und Kommunikation. Oft entstehen Sorgen, Ängste oder Vorurteile nicht aus Ablehnung, sondern aus Unsicherheit und fehlenden Erfahrungen.
Mir ist somit sehr wichtig, transparent zu zeigen, dass der Einsatz eines Schulhundes gut durchdacht ist – mit klaren Regeln, festen Strukturen und einem Hund, der dafür ausgebildet und geeignet ist. Ich möchte den Leuten zeigen, dass ein Schulhund ganz viele wertvolle und schöne Momente im Klassenzimmer schaffen kann, das Lernen unterstützt und fördert und somit einen sehr wertvollen Anteil an dem Lernprozess der Schüler*innen haben kann.
Judith Bohlmann: Ich wünsche mir, dass Kolleg*innen einen Schulhund als echte Chance sehen, da er unglaublich viel bewirken kann: Er verändert die Atmosphäre im Klassenraum zum Positiven, erleichtert Beziehung und schafft oft genau die Ruhe und Offenheit, die wir uns im Unterricht wünschen. Wer einmal erlebt hat, wie positiv sich ein Hund auf das Lernklima und Miteinander auswirkt, möchte ihn meist nicht mehr im Unterrichtsalltag missen. Ein Schulhund kann zu einem festen Bestandteil von gutem Unterricht werden und ich wünsche mir, dass möglichst viele Kolleginnen und Kollegen diese Erfahrung machen können und dürfen.
Mein Appell ist deshalb: Traut euch. Mit guter Vorbereitung, einem klaren Setting und einem Blick für die Bedürfnisse des Hundes und der Lernenden lässt sich ein Schulhund in fast jedes Unterrichtssetting sinnvoll integrieren und somit zum festen Bestandteil von gutem Unterricht machen. Ich würde mir wünschen, dass möglichst viele Kolleg*innen diese Erfahrung machen dürfen.
