fobizz: Auf Ihrer Website ist uns aufgefallen: Bei Ihnen heißt es nicht einfach „Lehrkraft“, sondern „Lernbegleiter“ und „Coach“. Warum?
Charlotte Dreßen: Das Lernen übernehmen die Lernenden. Wir können ihnen das Lernen nicht abnehmen. Unser Job ist es vielmehr, sie so zu befähigen, dass sie ihren Lernprozess gut durchlaufen können. Und da gibt es zwei Seiten: eine fachliche und eine Coaching-Seite.
fobizz: Was heißt das konkret?
Charlotte Dreßen: Fachlich heißt: Materialien, Inputs, Know-how bereitstellen, Lernwege strukturieren. Coaching heißt: mental und strukturell unterstützen. Also: Selbstwahrnehmung stärken, Motivation, Organisation, auch das Selbstbewusstsein im Sinne von „Was kann ich eigentlich – und was brauche ich?“
Das kommt nicht umsonst aus dem Sport: Das beste Lernangebot bringt nichts, wenn jemand gerade gedanklich komplett blockiert ist.
fobizz: Wie ist das Coaching bei Ihnen organisiert? Gibt es dafür extra Zeiten?
Charlotte Dreßen: Ja. Bis Stufe 8 haben wir eine feste Stunde im Stundenplan, die heißt wirklich „Coaching“. Das sind Vier-Augen-Gespräche, nicht die ganze Lerngruppe. Man schaut je nach Bedarf, wie viele Gespräche man in 45 Minuten sinnvoll unterbringt.
fobizz: Und ab Stufe 9?
Charlotte Dreßen: Da wird’s schlicht eng im Stundenplan. Aber der Bedarf verschwindet ja nicht, es verändert sich eher. Bei den Älteren geht es stärker darum, dass sie ihren Beratungsbedarf selbst erkennen und gezielt Hilfe suchen: bei Coaches, bei Fachlehrkräften oder auch bei der Schulsozialarbeit.
fobizz: Wie wächst man in die Rolle als Coach hinein?
Charlotte Dreßen: Manche Kolleginnen und Kollegen haben tatsächlich eine sehr fundierte Coaching-Ausbildung in der Schweiz gemacht, gerade zu Beginn unserer Gemeinschaftsschulzeit, sie wirken als Multiplikatoren.
Und wir haben zusätzlich eine schulinterne „Ringvorlesung“: Sechsmal im Jahr greifen wir zentrale Themen der Gemeinschaftsschule auf, für neue Kolleg:innen und auch für alle, die Dinge nochmal auffrischen möchten.