Grundschulalltag diskriminierungskritisch gestalten
Erfahre im Interview mit Anna Lena Lutz, warum du deinen Schulalltag diskriminierungskritisch gestalten solltest.
Erfahre im Interview mit Anna Lena Lutz, warum du deinen Schulalltag diskriminierungskritisch gestalten solltest.
Anna Lena Lutz: Gerade heute brauchen wir Schulen, in denen Vielfalt nicht nur geduldet, sondern selbstverständlich gelebt wird. Kinder verbringen einen großen Teil ihres Lebens bei uns – und was sie hier erleben, prägt ihr Selbstbild, ihr Weltbild und ihr Gefühl von Zugehörigkeit. Ein diskriminierungskritischer Schulalltag bedeutet deshalb, Strukturen, Sprache und Material bewusst so zu gestalten, dass sich alle Kinder gesehen, geschützt und gleich wertvoll fühlen.
„Wir brauchen ein klares Verständnis davon, was Diskriminierung eigentlich ist – und dass Diskriminierung auf verschiedenen Ebenen stattfindet.“

Anna Lena Lutz: Wir brauchen ein klares Verständnis davon, was Diskriminierung eigentlich ist – und dass Diskriminierung auf verschiedenen Ebenen stattfindet: individuell, institutionel, strukturell. Außerdem ist es wichtig, sich mit eigenen Privilegien auseinanderzusetzen und zu verstehen, welche Auswirkung unser Sprachgebrauch hat. Erst wenn ich mich selbst reflektiere, kann ich meinen Unterricht diskriminierungskritisch gestalten.
Anna Lena Lutz: Zunächst ist hier wichtig zu erwähnen: Es geht nicht darum, Bücher zu verbannen, sondern viel mehr darum, sie bewusst zu selen und mit den Kindern darüber ins Gespräch zu kommen. Das kann durch das Stellen von Fragen geschehen: Welche Figuren haben Macht? Welche Botschaft sendet das Buch? Gibt es Darstellungen, die stereotypisch wirken? Durch diese Fragen sensibilisieren wir unsere Schüler*innern und ermöglicht ihnen, Literatur und Medien kritisch zu hinterfragen.

Anna Lena Lutz: Zuerst kann man sich die zwei Fragen stellen: “Wen spreche ich in meinem Unterricht an?” und “Wer wird in meinem Unterricht sichtbar dargestellt?”. Basierend auf diesen zwei Fragen kann man schon viele kleine Änderungen vornehmen und zum Beispiel vielfältige Kinderliteratur auswählen, stereotype Aufgaben umformulieren und versuchen, klischeefreie Sprache zu verwenden. Ein erster Schritt wäre zum Beispiel darauf zu achten, wie Genderrollen in Lesetexten oder Sachaufgaben dargestellt werden und diese anzupassen – vielleicht kann ja mal der Papa die Carearbeit übernehmen und die Mama kommt müde von ihrem anspruchsvollen Job nach Hause.
Anna Lena Lutz: Für mich beginnt die Rassismuskritik im ganz normalen Schulalltag. Es ist die Art, wie ich spreche, welche Materialien ich auswähle und welche Bilder ich Kindern von der Welt zeige. Es reicht nicht, “nur” gegen Rassismus zu sein wir müssen unseren Unterricht aktiv antirassistisch gestalten und Verantwortung dafür übernehmen, dass sich alle Kinder sicher und gesehen fühlen. Wie Josephine Apraku, glaube ich fest daran: Rassismus ist von Menschen erfunden worden. also sind wir es, die ihn auch wieder abbauen können.

Kinder mit Traumaerfahrung verstehen und begleiten