Wie viel Energie braucht eine einzelne Anfrage?
Brechen wir diese großen Zahlen einmal für unsere eigene Nutzung herunter. Lange hieß es: Eine ChatGPT-Anfrage verbraucht zehnmal so viel Energie wie eine Google-Suche. Diese Faustregel gilt inzwischen als überholt. Neuere Schätzungen liegen bei etwa 0,3 Wattstunden pro Textanfrage (Epoch AI).
Google hat 2025 als erster großer Anbieter eigene Messwerte veröffentlicht: Eine typische Textanfrage an das KI-Tool Gemini braucht 0,24 Wattstunden. Das entspricht weniger als neun Sekunden Fernsehen.
Eine einfache KI-Anfrage liegt heute also ungefähr auf dem Niveau einer Google-Suche. Allerdings gilt dies nur für kurze Textfragen. Für Bilder, lange Dokumente oder „nachdenkende“ Modelle sieht die Rechnung anders aus. Messungen der University of Michigan für MIT Technology Review zeigen: Ein einzelnes Bild mit einem gängigen offenen Bildmodell braucht rund 0,6 bis 1,2 Wattstunden, je nach Qualitätseinstellung. Das ist ein Vielfaches einer einfachen Textanfrage. Noch deutlich mehr Energie kosten KI-Videos sowie Modelle, die vor der Antwort ausführlich „nachdenken“. Wie viel die Bildgeneratoren von ChatGPT oder Gemini verbrauchen, legen die Anbieter nicht offen.
Wenn KI „nachdenkt“, wird es teurer
Großen Einfluss auf die benötigte Strommenge hat die Art des Modells. Manche KI-Modelle, sogenannte Reasoning-Modelle, „denken“ vor ihrer Antwort ausführlich nach. Eine Studie der Hochschule München zeigt, dass sie dabei deutlich mehr Energie verbrauchen. Bei offenen Fragen verursachten sie vier- bis sechsmal so viel CO₂ wie Modelle ohne Denkmodus.
Die Antworten wurden dadurch zwar oft genauer. Aber: Mehr Qualität kostet mehr Energie. Am meisten „nachgedacht“ haben die Modelle bei kniffligen Mathefragen, bei einfachen Faktenfragen deutlich weniger.
Reicht nicht manchmal auch Google?
Hand aufs Herz: Nicht jede Frage, die wir uns stellen, braucht eine KI. Für einfache Wissensfragen reicht oft eine Suchmaschine oder ein Blick ins Schulbuch (ja, die gibt es noch!).
Das heißt allerdings nicht, dass wir auf KI verzichten sollten. Aber wir können bewusst entscheiden, wann wir sie nutzen und welches Modell wir wählen. Der größte Hebel: Für eine einfache Frage braucht es selten den Denkmodus.
Übrigens auch ein super Einstieg für die Klasse: Wann lohnt sich KI wirklich, und wann reicht die Google-Suche?