Mehr KI-Kompetenz – aber vor allem mehr Sicherheit
Die Ergebnisse der Studie zeigen zunächst: Die AI Literacy der teilnehmenden Lehrkräfte stieg signifikant an.
Im eingesetzten Test erhöhte sich der durchschnittliche Wert von 13,15 auf 15,13 Punkte. In zehn von 14 untersuchten Kompetenzbereichen zeigten sich signifikante Verbesserungen – beispielsweise beim Verständnis der Stärken und Schwächen von KI, bei der Rolle des Menschen im Zusammenspiel mit KI und bei ethischen Fragestellungen. Auch bei der praktischen Nutzung und der eigenen Haltung zeigten sich klare Verbesserungen: Die Lehrkräfte gaben nach der Fortbildung deutlich häufiger an, KI im Alltag und zur Vorbereitung von Unterrichtsmaterial zu nutzen, und fühlten sich spürbar besser auf die Integration von KI in ihren Unterricht vorbereitet.
Besonders anschaulich zeigt sich dieser Effekt in einer begleitenden Auswertung, die fobizz unter den ersten Teilnehmenden der Zusatzqualifikation durchgeführt hat (186 Lehrkräfte, Erhebung Januar/Februar 2024): Vor der Fortbildung fühlten sich 25,8 Prozent der befragten Lehrkräfte gut darauf vorbereitet, KI-Technologien in ihren Unterricht zu integrieren. Nach der Teilnahme waren es 85,5 Prozent.
Auch beim konkreten Einsatz zeigte sich in dieser Auswertung ein deutlicher Sprung: Der Anteil der Lehrkräfte, die KI aktiv zur Vorbereitung von Unterrichtsmaterial nutzen, stieg von 38,2 auf 86,6 Prozent. Und rund 88 Prozent der Teilnehmenden sahen den Einsatz von KI an Schulen nach der Fortbildung eher als Chance denn als Gefahr.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Denn am Ende entscheidet nicht allein das Wissen über KI darüber, ob Lehrkräfte neue Technologien sinnvoll einsetzen können. Entscheidend ist auch die eigene Überzeugung: Ich kann das einordnen. Ich kann es ausprobieren. Und ich kann selbst entscheiden, was für meinen Unterricht sinnvoll ist.
Mehr Wissen bedeutet nicht automatisch mehr Begeisterung für KI
Ein Ergebnis der Studie ist dabei besonders interessant: Die intensivere Beschäftigung mit KI führte nicht einfach dazu, dass die Teilnehmenden der Technologie anschließend durchweg positiver gegenüberstanden.
Bei einigen Fragen nahmen auch kritische Einschätzungen und Sorgen zu.
Auf den ersten Blick mag das überraschen. Eigentlich ist es aber ein wichtiger Bestandteil von KI-Kompetenz.
Denn das Ziel kann nicht sein, dass Lehrkräfte KI nach einer Fortbildung möglichst unkritisch einsetzen. Im Gegenteil: Wer mehr über die Funktionsweise von KI weiß und selbst Erfahrungen damit gesammelt hat, kann auch Risiken, Grenzen und problematische Einsatzszenarien besser erkennen. Die Studienautor:innen deuten diesen Effekt entsprechend: Er spreche für eine gestiegene Fähigkeit der Lehrkräfte, Risiken und Gefahren von KI realistischer einzuschätzen.
AI Literacy bedeutet deshalb nicht KI-Begeisterung. Sie bedeutet, fundierte Entscheidungen treffen zu können.
Wann unterstützt KI meine Schüler:innen wirklich? Wann übernimmt sie möglicherweise zu viel? Welche Ergebnisse muss ich überprüfen? Welche Rolle spielen Datenschutz, Urheberrecht und Bias? Und wo möchte ich ganz bewusst auf KI verzichten?
Auch diese Fragen gehören zur KI-Kompetenz.
Ein Thema, das Schulen weltweit beschäftigt
Die drei Tage der UNESCO Digital Learning Week standen 2025 ganz im Zeichen von KI in der Bildung. Kolleg:innen aus Spanien, der Elfenbeinküste, Frankreich, China und Italien brachten dabei ganz unterschiedliche Perspektiven auf KI, Digitalisierung und Bildung mit nach Paris. Die Voraussetzungen unterscheiden sich – technologisch, gesellschaftlich und bildungspolitisch: Manche Länder haben gerade erst Bildschirmzeit und den Zugang zu KI-Tools für jüngere Schüler:innen eingeschränkt, andere setzen längst auf einen offeneren Umgang. Trotzdem tauchten zwei Themen immer wieder auf: die Notwendigkeit von KI-Fortbildung und AI Literacy – für Lehrkräfte genauso wie für Schüler:innen – und der Erhalt menschlicher Handlungsfähigkeit bei einer zunehmend menschzentrierten KI-Entwicklung.
Beide Themen gehören zusammen. Denn AI Literacy ist der erste Schritt, um verantwortungsvollen Einsatz, menschliche Handlungsfähigkeit und eine menschzentrierte Entwicklung von KI überhaupt erst zu ermöglichen.
Denn je stärker KI Teil unseres Alltags wird, desto wichtiger wird die Fähigkeit, nicht einfach nur auf technologische Entwicklungen zu reagieren. Lehrkräfte und Schüler:innen müssen verstehen können, was hinter diesen Technologien steckt, ihre Auswirkungen reflektieren und eigene Entscheidungen treffen können.